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	<title>Ici et ailleurs</title>
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	<description>Association pour une Philosophie Nomade</description>
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		<title>Ici et ailleurs</title>
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		<title>Besuch bei den Waldmenschen</title>
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		<dc:creator>Berthold Unfried</dc:creator>



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&lt;p&gt;NZZ &#034;Reisen&#034;, 18.5.2024 &lt;br class='autobr' /&gt;
Zusammenfassung &lt;br class='autobr' /&gt;
Auf der Grundlage teilnehmender Eigenbeobachtung zeigt der Beitrag zwei verschiedene Arten der Begegnung zwischen Touristen und &#034;Waldmenschen&#034; (peuples de la for&#234;t) in Kamerun. Im ersten Fall, den mehrt&#228;gigen, organisatorisch und k&#246;rperlich aufw&#228;ndigen Besuch einer entlegenen Baka-Gemeinschaft inmitten des Prim&#228;rwaldes zu Fuss. Im zweiten Fall, einfacher und bequemer, die Kurzvisite von Pygm&#228;en-Siedlungen am Rand eines Haupttourismusgebiets im (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://casus-belli.ici-et-ailleurs.org/spip.php?page=rubrique&amp;id_rubrique=18" rel="directory"&gt;Migrations, fronti&#232;res&lt;/a&gt;


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 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;NZZ &#034;Reisen&#034;, 18.5.2024&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Zusammenfassung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der Grundlage teilnehmender Eigenbeobachtung zeigt der Beitrag zwei verschiedene Arten der Begegnung zwischen Touristen und &#034;Waldmenschen&#034; (&lt;i&gt;peuples de la for&#234;t&lt;/i&gt;) in Kamerun. Im ersten Fall, den mehrt&#228;gigen, organisatorisch und k&#246;rperlich aufw&#228;ndigen Besuch einer entlegenen &lt;i&gt;Baka&lt;/i&gt;-Gemeinschaft inmitten des Prim&#228;rwaldes zu Fuss. Im zweiten Fall, einfacher und bequemer, die Kurzvisite von Pygm&#228;en-Siedlungen am Rand eines Haupttourismusgebiets im Boot. Taucht man im ersten Fall mit dem Eintreten in den Wald in eine Welt der Andersartigkeit ein, so trifft man im zweiten Fall auf touristisch routinierte Menschen. Beide Gemeinschaften haben ihre eigenen Wege des Umgangs mit den Besuchern in einem touristisch wenig erschlossenen Land entwickelt. Sie sind das Endglied von Dienstleistungsmodulketten, die von Ethno-Tourismusanbietern aufgespannt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste &#220;berraschung ist, dass die &#034;Pygm&#228;en&#034; gar nicht besonders klein sind. Vielleicht sollte man sie deswegen auch, wie vielfach vorgeschlagen, besser &lt;i&gt;peuples de la for&#234;t&lt;/i&gt; nennen, Waldmenschen. Sie sind nicht durch eine gemeinsame Physiognomie charakterisiert, sondern durch eine &#228;hnliche Lebensweise im Wald. Auf einem kleinen Pfad ist man nach &#220;berqueren des Flusses Dja im S&#252;dosten Kameruns aus der Brandrodungszone in den dichten Hochwald eingetreten. Der Weg f&#252;hrt in eine andere Welt. Auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald befindet sich ein Lager von Pygm&#228;en vom Stamm der Baka. Sie wohnen in einem Dutzend H&#252;tten gedeckt mit Laub. Diese haben einen Durchmesser von vielleicht zwei Metern, sind eineinhalb Meter hoch und haben einen Eingang aus Palmwedel. Davor sitzen Gruppen von M&#228;nnern, Frauen und Kindern auf Baumst&#228;mmen am Feuer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Waldmenschen wirken entspannt, in ihre Arbeiten versunken, die sie ohne Hast und Eile verrichten. Sie befassen sich mit den essenziellen Dingen des Lebens. Sie machen nur, was sie machen m&#252;ssen, um zu leben, nichts extra, sagt der F&#252;hrer. Sie haben nicht &lt;i&gt;la vie moderne, le d&#233;veloppement&lt;/i&gt;, das w&#252;rde ihm fehlen. Schon bei der Seife f&#228;ngt die lange Reihe der G&#252;ter an, die man kaufen m&#252;sste, f&#252;r die man Zeit und Organisation aufbringen m&#252;sste, um Geld zu verdienen, das man daf&#252;r br&#228;uchte. Lebensnotwendig sind diese G&#252;ter nicht und die Baka setzen andere Priorit&#228;ten. Sie sitzen lange vor ihren H&#252;tten und plaudern. Sie wirken nicht so, dass ihnen wesentliche Teile des Lebens, wie sie sich es vorstellen, abgehen w&#252;rden. Insofern kann man sie nicht als &#034;arm&#034; bezeichnen. Von den Blicken der Besucher, die ein paar Schritte nebenan verweilen, und von denen sie Welten trennen, unbefangen. Das Leben hier ist arm an ungewohnten Ereignissen, deswegen sind die Waldmenschen lebhaft interessiert an Computern und deren Bildern, an Verrichtungen wie Z&#228;hneputzen, oder an einem Zelt als Wohnstatt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Niemand hier kann lesen und schreiben oder weiss sein Alter. Das sind Kenntnisse, die f&#252;rs Jagen und Sammeln nicht wesentlich sind. Die Kinder gehen nicht zur Schule. Statt dessen lernen die Buben von klein auf jagen, die M&#228;dchen sammeln. Die Buben machen sehr bald die Arbeiten ihrer Papas nach, sie werden allesamt J&#228;ger. Seit neuestem gehen allerdings fr&#252;hmorgens 3, 4 Kinder mit einem St&#252;ck Maniok in der Hand in die Schule. Das ist der Versuche eines Bildungsprojekts. Die Eltern entscheiden, wer in die Schule geht, und wer nicht. Das ist die grosse Mehrheit. Diese Kinder schw&#228;rmen morgens mit den Erwachsenen aus, um die Nahrung f&#252;r den Tag zu sammeln und zu erjagen, sowie um Holz und Bl&#228;tter f&#252;r Feuer und Laubh&#252;tte zu holen. Diejenigen, die in der Siedlung bleiben, unterhalten sich andauernd angeregt in einem langsam rhythmisierten Singsang.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Besucher hat die Wahl der &#220;bernachtung in einer Laubh&#252;tte oder in einem mitgebrachten Zelt. Nach ein paar Tagen r&#252;hrt sich der Waldmensch in mir. Wird nicht auch bei uns der Sammler von Pflanzen des Waldes zu Ern&#228;hrungs- und Heilzwecken oder jener, der sich nicht die neuesten Standards pasteurisierter Lebensweisen, aseptischer Hygiene oder des Besitzes bestimmter G&#252;ter zu eigen macht, herablassend als zivilisatorisch r&#252;ckst&#228;ndiger Wilder betrachtet ?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach den Massst&#228;ben von Entwicklungsstufen der Menschheit haben die Waldmenschen zwei Entwicklungen der Jungsteinzeit nicht mitgemacht : &#034;Sie s&#228;en nicht, sie ernten nicht&#034; und sie halten keine Nutztiere. Und finden doch ihr Auskommen. Sie sind J&#228;ger und Sammlerinnen geblieben. Unglaublich, was sie aus dem Wald herausholen. Hier ein Insekt. Dort eine Wurzel. Bl&#228;tter werden eingesammelt. Ein paar Fischlein, Krebse, eine kleine Schildkr&#246;te dazu. Auch ein fetter weisser Wurm wird noch aus einem modernden Baumstamm hervorgeholt, ein Leckerbissen. Stolz hat sich ein junger Mann eine schwarze Schlange um den Hals gelegt, die er erlegt hat. Auch sie wird die Vielfalt im Kochtopf erweitern. Auf dem Weg in den Wald gibt es eine Kleintierjagd. Ein Stachelschwein ist aufgesp&#252;rt worden. Es ist in seinen unterirdischen Bau gefl&#252;chtet. Vor den beiden Ausg&#228;ngen werden die Kinder postiert und vor einem ein Feuer entfacht. Der eindringende Rauch n&#246;tigt das Tier nach einiger Zeit zur Flucht aus dem anderen Ausgang, wo es schon abgepasst wird. Gleich wird ihm die Gurgel durchgeschnitten &#8211; das ist in dieser Jahreszeit eine reiche Beute.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Fixpunkt im Besuchsprogramm ist ein Waldrundgang, in dem von den Waldmenschen verwendete medizinale Baumrinden, Wurzeln und Bl&#228;tter gegen diverse Leiden von Augenkrankheiten, Magenproblemen, Stillung von Blutungen bis zu Impotenz aufgesp&#252;rt werden. Ein muskul&#246;ser junger Mann klettert an einer Liane einen Baum hoch, um nach dem Honig wilder Bienen zu sehen. F&#252;r Begegnungen mit Gorilla oder Elefant ist die Trockenzeit nicht die richtige Saison, da sich die Tiere in die mehrere Tagesm&#228;rsche entlegenen Feuchtgebiete zur&#252;ckziehen. Jetzt bekommt man allenfalls Kleingetier zu sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;r Exkursionen weiter hinein in den Wald setzt sich eine ganze Karawane in Bewegung. Vorne der F&#252;hrer, der den Weg mit der Machete freischl&#228;gt. Dahinter junge M&#228;nner und Kinder. Es ist noch Trockenzeit. Der Wald ist durchzogen von kleinen, kaum kenntlichen Spuren, die eher Wildf&#228;hrten als Wegen gleichen. Das Laub raschelt unter den Schritten. Der Ausflug in den Wald ist nie Selbstzweck oder Erbauung der Seele. Es ist nicht die Empfindungswelt von Eichendorff oder Schumann. Der Wald wird zum Sammeln von Wurzeln, Pflanzen und Kleingetier genutzt. Die Baka sind gewandte Waldwanderer. Das Tempo des F&#252;hrers ist z&#252;gig. Auch die Kinder gehen flott. Ihr Gezwitscher weist den Weg. Denn weit sieht man im Bl&#228;ttermeer des Unterholzes nicht. F&#252;r den Weissen, auch den wandererprobten, gibt es einige Beschwernisse. Er stolpert &#252;ber verdeckte Wurzeln, verf&#228;ngt sich in Lianen, die ihn zu Boden reissen, aus herabh&#228;ngenden &#196;sten lassen sich Ameisen, W&#252;rmer und andere l&#228;stige Insekten auf ihn fallen, Ameisen beissen sich fest, so schnell man auch &#252;ber ihre Strassen hinwegschreitet ; vor ; vor allem : es ist dr&#252;ckend schw&#252;l. Die Waldmenschen gehen blossf&#252;ssig und mit nacktem Oberk&#246;rper. Niemand st&#252;rzt, niemand flucht, niemand schwitzt. Kein Zeichen von M&#252;digkeit oder Ersch&#246;pfung. Wasser braucht man keines mitzunehmen. Der Wald ist &#8211; wenn man die Sorte erkennt - voller Wasserlianen. Mit einer scharfen Machete hackt der F&#252;hrer ein St&#252;ck heraus, und sobald man es senkrecht h&#228;lt, rieselt reichlich Wasser heraus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man im Lager der Waldmenschen ankommt, ist man am Ende einer Dienstleistungskette angekommen, die hierher in den Wald f&#252;hrt. Der F&#252;hrer, ausserdem, da man sich in einem Nationalpark befindet, ein &lt;i&gt;rangeur&lt;/i&gt;, dazu kommt ein Tr&#228;ger. Die F&#252;hrer vor Ort sind meist ehemalige Nationalparkangestellte aus den umliegenden D&#246;rfern. Sie haben es geschafft, eine eigene Agentur zu gr&#252;nden, die das Endglied der Dienstleitungskette &#034;&lt;i&gt;visite chez les pygm&#233;es&lt;/i&gt;&#034; anbieten : den direkten Kontakt und den Aufenthalt bei den Waldmenschen. Das Endprodukt, die &lt;i&gt;pygm&#233;es&lt;/i&gt;, bekommen etwas Geld und reichlich Palmschnaps als Abgeltung. Allerdings w&#252;rde ein gr&#246;sserer Geldeinschuss ihr Leben so gr&#252;ndlich &#228;ndern, dass sie als touristische Attraktion an Interesse einb&#252;ssten. Diese Enddienstleistungsagenturen werden von landesweit operierenden Tourismusagenturen beauftragt, die oft schon im Verbund mit Miteigent&#252;mern auftreten, welche die internationale Vermarktung erledigen. Diese wiederum sind manchmal Vertragsnehmer von international t&#228;tigen Ethno-Tourismusunternehmen. &#220;ber diese, f&#252;r sie allerdings nicht erkennbaren, Ketten sind die J&#228;ger und Sammlerinnen im &#228;quatorialen Wald verbunden mit der Welt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der F&#252;hrer fungiert auch als &#220;bersetzer und als Mittelsperson. Er ist f&#252;r die Gaben an die Baka-Gemeinschaft verantwortlich, der Besucher gibt Gastgeschenke drauf. Manche tun das reichlich, und, weil es so am einfachsten ist, in Geld. So bringt der Tourismus die Geldwirtschaft in den Wald. Die Aussenwirtschaft der Waldmenschen beruht auf Tausch. Sie tauschen gegen die Ausbeute ihrer Jagd- und Sammelt&#228;tigkeit extern erzeugte Produkte ein, wie die unentbehrlichen Macheten, Kocht&#246;pfe, Plastikgeschirr, Plastikkanister oder Maniok &#8211; und : von den D&#246;rflern gebrannten Palmschnaps. Im Tausch f&#252;r Maniok arbeiten einige Frauen auf den Feldern der D&#246;rfler, wenn die Jagdausbeute ausserhalb der Regenzeit knapp ist. Die Gaben des F&#252;hrers bestehen aus Geld und zahlreichen Flaschen Palmschnaps. Der Alkohol ist die unentbehrliche &lt;i&gt;motivation&lt;/i&gt; f&#252;r die abendlichen Tanzvorf&#252;hrungen der Baka. Daran nehmen alle teil, Frauen, M&#228;nner, Kinder. Bizarre Tanzfiguren und jodel&#228;hnliche Ges&#228;nge, unterlegt von unabl&#228;ssigem Tamtam-Getrommel mitten im Wald erzeugen eine eindr&#252;ckliche Abendstimmung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Nachbarn, die &#034;Grands Noirs&#034;, die gr&#246;sser gewachsenen Schwarzen in den D&#246;rfern am Rande des Waldes, blicken auf die Waldmenschen herab. Das ist eine Herablassung, die in Verachtung &#252;bergehen kann. Sie f&#252;hlen sich zivilisatorisch &#252;berlegen, auf einer h&#246;heren Entwicklungsstufe als die Waldmenschen. Ein M&#228;dchen aus den D&#246;rfern w&#252;rde nicht in einen Baka-Clan einheiraten, weil sie das Leben dort als r&#252;ckst&#228;ndig empfindet. Auf eine solche Frage erntet man ein Lachen, nein, so ein Leben will sich das Dorfm&#228;del nicht antun. Umgekehrt heiraten Baka-M&#228;dchen schon in die D&#246;rfer ein und es kommt auch vor, dass M&#228;nner von ausw&#228;rts in den Wald kommen, um dort eine Baka-Frau zu finden. Manchmal versuchen sich angetrunkene Dorfburschen dort auch M&#228;dchen mit Gewalt zu holen. Dann ist eine Intervention der jeweiligen Chefs und gegebenenfalls der Nationalparkautorit&#228;t erforderlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Obwohl das Verh&#228;ltnis von Ungleichheit bis hin zu Ausbeutung gepr&#228;gt ist, stehen die Waldmenschen mit den &#034;grossschwarzen&#034; D&#246;rflern in einem Austausch, von dem sie auch etwas haben. Die gr&#246;ssten Feinde der Waldmenschen sind diejenigen, die den Wald wegf&#252;hren. Die Strassen Kameruns sind voll mit Lastw&#228;gen, die riesige Baumst&#228;mme abtransportieren. Die Fl&#228;che des Waldes, von dem die Waldmenschen leben, verringert sich stetig. Es ist immer dieselbe Logik wirtschaftlicher &#034;Entwicklung&#034; : wir k&#246;nnen den Wald doch effizienter nutzen als die J&#228;ger und Sammler. Wir verkaufen das wertvolle Holz und nutzen die gewonnenen Fl&#228;chen f&#252;r intensive Landwirtschaft. Dann tr&#228;gt dieser Boden ein Vielfaches an Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Effekt des Tourismus k&#246;nnte auch sein, dass sich der Wertsch&#228;tzungsfaktor f&#252;r die Baka durch die Wahrnehmung erh&#246;ht, dass die Weissen den Waldmenschen mit Interesse und Respekt entgegenkommen. Dass die Lebensart der Waldmenschen nicht nur &#034;r&#252;ckst&#228;ndig&#034; ist und &#034;unterentwickelt&#034;, sondern dass sie das Interesse von Menschen aus den materiell bestaufgestellten/hablichsten* Gegenden der Welt finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Die zweite Situation der Begegnung mit Pygm&#228;en ist ein einfacher Tagesausflug&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Ort, an dem sich der Fluss Lob&#233; in einem spektakul&#228;ren Wasserfall ins Meer wirft, ist eine Haupttouristenattraktion in Kamerun. Etwas oberhalb des Wasserfalls kann man sich in der Piroge stromaufw&#228;rts rudern lassen. Von beiden Seiten neigt sich eine Wand gr&#252;nen Waldes in den Fluss. &#196;ffchen h&#252;pfen von Ast zu Ast, Tucane rufen einander zu. Das ist, wie man sich eine Fahrt im Dschungel vorstellen mag, w&#228;re da nicht ein fernes Dr&#246;hnen im Hintergrund. Es h&#246;rt auch nach der n&#228;chsten Flussbiegung nicht auf. Die ganze Zeit, die man sich in einem Dschungel f&#252;hlt, hat man das ferne Autobahngedr&#246;hne der unz&#228;hligen Lastw&#228;gen im Ohr, die zu dem neuen Containerhafen an der Atlantikk&#252;ste fahren, und von dort kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Landung bei der ersten Pygm&#228;ensiedlung. Die Pygm&#228;en sind hier erwartungskonform kleinw&#252;chsig. Sie wohnen nicht in Laubh&#252;tten, sondern in Holzbaracken, die einen etwas heruntergekommenen Eindruck machen, und sie treiben auch schon ein wenig Landwirtschaft. Sie sind also nicht mehr nur J&#228;ger und Sammlerinnen. Sie haben sich den umliegenden D&#246;rfern angepasst. Auf dem Weg zum &lt;i&gt;campement&lt;/i&gt; finden sich reichlich Plastiksackerln, die aufgebissen wurden, um den Rum auszusuckeln. Alkoholkonsum ist ethnien - und zivilisations&#252;bergreifend ein Problem. Im ganzen Land trifft man vormittags schon Angetrunkene an. Der junge muskul&#246;se Chef gibt kurz und routiniert den rasch aufeinander folgenden Besuchergruppen grundlegende Informationen : wie man Chef wird : als &#228;ltester Sohn des vorherigen Chefs ; wie man eine Frau findet : da alle Bewohner dieser Siedlung miteinander verwandt sind, muss man mindestens ins n&#228;chste &lt;i&gt;campement&lt;/i&gt; gehen. St&#246;rt der ferne Autobahnl&#228;rm nicht ? Doch, den empfinde man als l&#228;stig und &#252;berlege deswegen auch, die Siedlung weiter in den Wald hinein zu verlegen. Allerdings w&#252;rden dorthin auch weniger Touristen kommen und die sind mittlerweile eine Haupteinnahmequelle der Gemeinschaft. Wieso sind ausser ihm fast keine Jungen zu sehen ? Alle Jungen sind auf der Jagd im Wald.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dorthin beschliessen wir kurzerhand, unsere Flussreise fortzusetzen. Eine Flussfahrtstunde entfernt liegt die &#034;zweite&#034; Pygm&#228;ensiedlung am Rande eines Dorfs neben Feldern am Ende einer Erdpiste. Der alte Chef dort freut sich sehr, dass nach l&#228;ngerer Zeit wieder einmal Besucher gekommen sind. Fast alle Touristen begn&#252;gen sich aus Zeitgr&#252;nden mit einem Besuch im ersten &lt;i&gt;campement&lt;/i&gt;. Mit den mitgebrachten Geschenken ist er aber nicht zufrieden und gibt deutlich zu verstehen, dass er mehr Geld erwartet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In dieser Gegend sind die Pygm&#228;en, zumindest die nahe gelegenen, Attraktionen, die zum touristischen Standardprogramm geh&#246;ren. Sie sind aus dem Wald an den Rand der touristischen Routen hervorgekommen und haben ihre charakteristische Lebensweise als J&#228;ger und Sammlerinnen zum Teil aufgegeben. Die Tauschwirtschaft ist zu einem guten Teil von der Geldwirtschaft abgel&#246;st worden. Entsprechend werden Gastgeschenke in Geldform erwartet. Der Bootsmann und &#220;bersetzer, wiederum kein Pygm&#228;e, sondern ein D&#246;rfler, bestreitet das Endmodul einer Dienstleistungskette, das man separat buchen kann, wenn man den Weg dorthin findet, das aber zumeist von Tourismusunternehmern gr&#246;sserer Reichweite in ihr Programm eingebaut wird. Das ist eine andere Form des Pygm&#228;entourismus als jene im Reservat des Dja. Aber auch hier sind die Pygm&#228;en Attraktion und nicht Akteure der Tourismusindustrie. Im Vergleich zu ihren Nachbarn im Dorf erscheinen sie als &#034;arm&#034;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im benachbarten Campo-Reservat nutzt ein Tourismusprojekt ihre speziellen F&#228;higkeiten im Walde, was sie am besten k&#246;nnen : sie arbeiten am Aufsp&#252;ren von Gorillas und an deren Gew&#246;hnung an die Begegnung mit Menschen. F&#252;hrer und Vermittler von Begegnungen im Wald : vielleicht ist das die ad&#228;quateste Beteiligung der Waldmenschen am Tourismus in einem massentouristisch wenig erschlossenen Land.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was nimmt man von den Besuchen von den Waldmenschen mit ? Vielfalt der Menschheit, Friede der Laubh&#252;tten, und das einfache Leben. Pygm&#228;en, Waldmenschen aller L&#228;nder, vereinigt euch !&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt; &lt;i&gt;Berthold Unfried&lt;/i&gt; &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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	</item>
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		<title>H&#252;ttenp&#228;chter, Maultiertreiber, Grei&#223;lerinnen : Internationalisten der Berge im Himalaya</title>
		<link>https://casus-belli.ici-et-ailleurs.org/spip.php?page=article&amp;id_article=744</link>
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		<dc:date>2018-11-21T02:28:00Z</dc:date>
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		<dc:creator>Berthold Unfried</dc:creator>



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&lt;p&gt;Seit der Klassiker der Wanderrouten im nepalesischen Himalaya, die Annapurna-Runde, durch Stra&#223;enbau von einst &#252;ber 2 Wochen auf 4-5 Tage verk&#252;rzt worden ist, sind viele Wanderer auf der Suche nach Alternativen. Da bietet sich der benachbarte Rundweg an, der in 2 Wochen rund um den Manaslu f&#252;hrt und &#228;hnlich pr&#228;chtige Szenarien bietet. In einem jener Busse, die &#252;berall in Asien, Afrika und Lateinamerika das Fortkommen in alle entlegenen Winkel gew&#228;hrleisten, geht es von Kathmandu bis an den (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Seit der Klassiker der Wanderrouten im nepalesischen Himalaya, die Annapurna-Runde, durch Stra&#223;enbau von einst &#252;ber 2 Wochen auf 4-5 Tage verk&#252;rzt worden ist, sind viele Wanderer auf der Suche nach Alternativen. Da bietet sich der benachbarte Rundweg an, der in 2 Wochen rund um den Manaslu f&#252;hrt und &#228;hnlich pr&#228;chtige Szenarien bietet. &lt;br class='autobr' /&gt;
In einem jener Busse, die &#252;berall in Asien, Afrika und Lateinamerika das Fortkommen in alle entlegenen Winkel gew&#228;hrleisten, geht es von Kathmandu bis an den Fu&#223; der Berge. Zahlreiche Pausen und Unterbrechungen, ein paar Schluck lokalen Reisweins, und wir rumpeln und schaukeln in den Himalaya hinein, bis die Stra&#223;e endet. Zu Fu&#223; geht es anderntags weiter. In Kathmandu hat man zuvor bei einer der zahlreichen Trekkingagenturen einen F&#252;hrer und einen Tr&#228;ger angeheuert. Der F&#252;hrer Ram aus dem Volk der Tamang, ein untersetzter Mittvierziger mongolischer Anmutung, erz&#228;hlt : Er hat als Tr&#228;ger begonnen und danach eine F&#252;hrerausbildung mit den F&#228;chern Englisch, Geschichte, Flora, Klettern und Erste Hilfe absolviert. Seit 18 Jahren geht er die Manaslu-Tour. Anfangs mit Zelt, dann sind bald H&#252;tten (&lt;i&gt;lodges&lt;/i&gt;) wie Pilze aus den Weilern entlang der Route geschossen und es hat sich eine komfortable Infrastruktur entwickelt. F&#252;hrer wie Ram streben danach, mittels ihres in langen Jahren akkumulierten Kapitals selbst Tourismusunternehmer zu werden. Ihr Ziel ist, selbst eine Trekkingagentur zu gr&#252;nden. Der Tr&#228;ger ist ein schm&#228;chtiger junger frohgemuter Mann ganz anderer k&#246;rperlicher Beschaffenheit. Niemals w&#252;rde man ihm zutrauen, die Last &#252;ber mehrere Tausend H&#246;henmeter zu schleppen. Doch er wird seine geringe K&#246;rpergr&#246;&#223;e durch Z&#228;higkeit wettmachen. Die F&#252;hrer k&#246;nnen leidlich englisch, die Tr&#228;ger nicht. Die F&#252;hrer haben Daunenjacken und &lt;i&gt;smartphones&lt;/i&gt;, die Tr&#228;ger d&#252;nnes Zeug an und Tastentelefone. Beide gehen mit Turnschuhen und schmalem R&#228;nzlein Eigengep&#228;ck &#252;ber den verschneiten Pass.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Man geht von einer Seeh&#246;he von 700m los und durchquert auf gut 4000 H&#246;henmetern alle Klimazonen Nepals. Auf eine tropische Vegetation mit Bananenstauden und Mangob&#228;umen folgt ein Bambuswald, darauf eine Zone mit Nadelhochwald und Rhododendronb&#252;schen. Dar&#252;ber liegt eine Heide- und Graslandschaft. K&#246;nigsetappe der Tour ist die &#220;berquerung des gut 5000m hohen Passes &lt;i&gt;Larkye La&lt;/i&gt;. Sie ist im Unterschied zu den Etappen zuvor, die in 4-6 Stunden maximal 800 H&#246;henmeter pro Tag &#252;berwinden, k&#246;rperlich durchaus fordernd und stark wetterabh&#228;ngig. Wenn es dort oben schneit, kann der Pass wochenlang unpassierbar sein. Hinter dem hellgr&#252;nen Bambus, den silbriggr&#252;nen Tannen und den dunkelgr&#252;nen Rhododendren leuchten die schneewei&#223;en H&#246;henz&#252;ge des Himalaya hervor. Entlang des Wegs sch&#228;umt der Gebirgsfluss Gandaki. Diese pr&#228;chtigen Ausblicke erheben die Herzen und lassen den Wanderer froh in der Zuversicht ausschreiten, auch diese fernen schneeigen Zonen zu erreichen. Da &#252;berrascht uns eine lange Serie Gewitter, die schwere Regenf&#228;lle bringen. Wir lassen sie bei ein, zwei, drei Kr&#252;gen Hirsewein vor&#252;berziehen, stoisch wie die Maultiere, die reglos im Regen stehen. Anderntags ist es bis zur Baumgrenze herab wei&#223;. Da kommen Wanderer im Abstieg entgegen. Dort oben hat es den ganzen Tag und die ganze Nacht geschneit, berichten sie. In dem tiefen Schnee ist kein Weiterkommen. Sie mussten umkehren. Diese unerwartete Nachricht wirkt ern&#252;chternd. Damit hat man in dem satten Gr&#252;n nicht gerechnet. Die Aussicht, 5 Tage lang dieselbe Strecke wieder zur&#252;ck zu gehen, macht die Aufw&#228;rtswanderer nachdenklich. Der so sicher erschienene Pass&#252;bergang scheint nun unpassierbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Weg f&#252;hrt in einem Tal entlang des wilden Bergflusses Gandaki in den Himalaya hinein. Manchmal in steile Felsw&#228;nde geschlagen, erlaubt er immer ein bequemes Gehen. Die Wanderer &#252;bernachten in einfachen H&#252;tten (&lt;i&gt;lodges&lt;/i&gt;), die von P&#228;chtern betrieben werden. Dort gibt es wohlschmeckende deftige, immer frisch gekochte Mahlzeiten dreimal am Tag sowie &lt;i&gt;Raksi&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Chang&lt;/i&gt;, selbst destillierten gew&#228;sserten Schnaps bzw. Bier aus Reis, Hirse oder Buchweizen, je nach H&#246;henlage. Die Errichter und Eigent&#252;mer der H&#252;tten sind im oberen Teil des Tals oft Tibeter, die P&#228;chter, oft auch P&#228;chterinnen, nepalesische &lt;i&gt;Gurung&lt;/i&gt; aus dem unteren Talabschnitt. Sie sind auf die Bed&#252;rfnisse der internationalen Wandertouristen besser eingestellt als die Tibeter, hei&#223;t es. Man passiert D&#246;rfer aus eng aneinander gebauten Steindachh&#228;uschen mit Holzbalkonen, die aussehen wie Alpend&#246;rfer vergangener Zeiten. Nur statt Kircht&#252;rmen kleine Stupas und &lt;i&gt;Tsch&#246;rtten&lt;/i&gt;, das sind mauerf&#246;rmige Arrangements in flachen Stein gemei&#223;elter heiliger Texte am Zugang zum Dorf. Die Bewohner des oberen Abschnitts des Tals sind mehrheitlich Buddhisten, w&#228;hrend unten die Hinduisten &#252;berwiegen. Entlegene Geh&#246;fte auf Bergr&#252;cken, in extrem steile H&#228;nge terrassierte Felder, auf denen Getreide, Erd&#228;pfel, Zwiebel, Knoblauch, Rettich und Gem&#252;se angebaut werden, zeigen die harschen Anforderungen an b&#228;uerliche Bewirtschaftung in diesen Bergregionen. Die kargen Felder werfen nicht genug an Ernte ab, um die Wandertouristen zu verk&#246;stigen. Reis, Mehl, &#214;l, Salz werden von Maultieren herangeschafft. Kurz vor dem Gro&#223;dorf Lho auf 3000m H&#246;he zeigt sich nach einer Wegbiegung auf einmal erstmals der Manaslu, um den die Runde f&#252;hrt. Der pr&#228;chtige achth&#246;chste Berg der Erde hat zwei Gipfeln, die sich gegen die dort oben st&#228;ndig wehenden St&#252;rme aneinanderzulehnen und zu umarmen scheinen. Auf dieser H&#246;he ist es morgens bitter kalt. Der Tag bringt extreme Temperaturunterschiede. Der Wanderer geht in Daunenjacke und Wollsocken los, um ein, zwei Stunden sp&#228;ter in der Sonne das Wintergewand gegen ein kurz&#228;rmeliges Leibchen zu tauschen. Wenn die Sonne abends verschwindet, wird die Temperatur schlagartig eisig. Ab 3500m macht einem die d&#252;nne Luft zu schaffen. Deswegen wird eine Akklimatisierungstour zu einem buddhistischen Kloster auf 4000m direkt am Fu&#223; des Manaslu eingelegt. Eine unbeschreibliche Szenerie bietet sich in diesem Talkessel : das kleine Kloster wird von 2 m&#228;chtigen Pranken des Riesenbergs umarmt, ringsum eine Kette von Gipfeln, von denen die Schneefahnen wehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf den f&#252;r Maultiere gut ausgebauten Wegen herrscht ein reger Verkehr. Frauen, M&#228;nner, Kinder mit stirnbandgetragenen Flechtk&#246;rben auf dem R&#252;cken, die Rinder am Nasenring f&#252;hren, oder, das Werkzeug geschultert, von der Feldarbeit kommen. Immer wieder Glockengebimmel. Allenthalben kommen einem bunt geschm&#252;ckte Maultier- oder Eselkarawanen entgegen. Das sind die Hauptverkehrsmittel im Tal. Die reichen Leute in den Himalayat&#228;lern sind neben den Tourismush&#252;tteneigent&#252;mern und -p&#228;chtern die Maultierbesitzer. Bis die Stra&#223;e kommt, sind sie die Herren des G&#252;terverkehrs, auf den der Wandertourismus angewiesen ist. Durch die Maultierkarawanen sind die einzelnen Abschnitte des Tals unabl&#228;ssig miteinander verbunden. In der Luft gibt es als exklusive Eilverbindung Helikopter. Sie transportieren von H&#246;henkrankheit befallene Bergtouristen und reich gewordene H&#252;ttenp&#228;chter aus dem Tal heraus. Doch es gibt auch weitl&#228;ufigere und gewohnheitsm&#228;&#223;ige Verbindungslinien in die weitere Welt au&#223;erhalb des Tals.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wer in der letzten Siedlung vor dem Pass ankommt, glaubt sich am Ende der Welt. Ein gottverlassenes windiges Dorf auf 3800m H&#246;he, eine knappe Woche Fu&#223;marsch von der n&#228;chsten Autobusstation entfernt, eine Handvoll H&#252;tten aus Stein und Holz, auf den schlammigen Wegen dazwischen Yaks, Frauen beim Spinnen, verrotzte Kinder, eine Primarschule mit drei Pultreihen, die aber nur in der Sommersaison in Betrieb ist. &#220;ber den Winter bleiben hier nur die &#196;rmeren und Alten, die wohlhabenderen der Dorfbewohner gehen ins Tal oder nach Kathmandu. Am Ortseingang Bilder von Che Guevara neben einem Wuschelkopf, auf Nachfrage : Bob Marley. Eine H&#252;tte erweist sich als Grei&#223;lerei. Dort gibt es neben lokal produziertem Reiswein (&lt;i&gt;Raksi&lt;/i&gt;), Hirsebier (&lt;i&gt;Chang&lt;/i&gt;) und getrockneten Yakfleischstreifen ein Standardprogramm an Haltbarwaren, die auf dem R&#252;cken der Maultiere &#252;ber die 5000m hohen P&#228;sse aus Tibet kommen : Zucker, Kekse, Zuckerln, Limonaden, Alkohol, dazu Gasflaschen, Wasserkocher und &lt;i&gt;smartphones&lt;/i&gt;. &#220;ber die Maultierkarawanen sind die Bergd&#246;rfer an die internationale Warenwelt angebunden, die in diesem Fall aus China kommt. Die Wirtin hat in Hongkong gearbeitet, der H&#252;ttenp&#228;chter in Singapur, ein anderer als Koch in Indien, Thailand und Malaysia. Ihre Kinder sind in der Schule in Kathmandu, andere an der Universit&#228;t in Indien, wieder andere in tibetischen Fl&#252;chtlingsgemeinden in Indien und in Europa. Und wenn einmal zu viel Schnee das Tourismusgesch&#228;ft lahmlegt, lassen sich P&#228;chter hoch gelegener H&#252;tten auch mit dem Helikopter nach Kathmandu ausfliegen. Viele M&#228;nner und auch junge Frauen arbeiten in den arabischen Emiraten und kommen alle paar Jahre einmal zur&#252;ck. Im Wesentlichen leben sie in Arabien. Auch etliche der malerischen jungen Frauen, die in den &lt;i&gt;lodges&lt;/i&gt; die Hirse stampfen und die K&#252;che versorgen, haben jahrelang in Dubai gearbeitet. Erstaunlich internationale Verbindungen aus dem entlegenen Bergtal im hintersten nepalisch-tibetischen Grenzgebiet hinaus in die Welt und zur&#252;ck. Die Familien sind &#252;ber die Welt verteilt. Man glaubt sich im Hochgebirgsdorf am Ende des Tals am Ende der Welt, ist aber in Wirklichkeit an einem kleinen Knotenpunkt internationaler Mobilit&#228;t.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Verbindungsstrom des Tourismus sp&#252;lt Tourismusunternehmer aus Nordamerika, Europa und Australien ins Trekkinggesch&#228;ft im Himalaya, Tibeter und Nepalesen als Personal in Alpenh&#252;tten. Pionier des Tourismus war die internationale Mobilit&#228;t der Hippies, die in den 1960er und 1970er Jahren die Tourismusdestination Nepal er&#246;ffnet haben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ihnen folgte der Internationalismus der Entwicklungszusammenarbeit, die eine der wichtigsten Kommunikationslinien Nepals mit der Welt ist. Auf dieser Schiene werden Menschen und G&#252;ter in Zirkulation gebracht. Auch die Zwergschule des Orts Samdo wird von einer europ&#228;ischen Entwicklungsorganisation unterst&#252;tzt, was zu einer Personalzirkulation zwischen dem Bergdorf und Europa f&#252;hrt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die H&#252;ttenp&#228;chter, Maultiertreiber und Grei&#223;lerinnen des Gandakitals sind Internationalisten der Berge. Sie bringen den hintersten Himalaya mit der Welt in Verbindung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dharmasala, ein Zeltlager auf der H&#246;he des Matterhorngipfels gelegen, ist die letzte Station vor der Pass&#252;berquerung. P&#228;chter, K&#246;che, Personal verdienen in dieser unwirtlichen H&#246;he das Doppelte. F&#252;r den P&#228;chter ist diese unentbehrliche Station eine Goldgrube. Vor der gro&#223;en Pass&#252;berquerung herrscht Abenteuerstimmung. Der Schnee ist in 3 Sonnentagen so weit geschmolzen, dass der Pass mutma&#223;lich nun doch passiert werden kann. Doch das Wetter, eben noch sonnig, zieht wieder zu. Eine Nacht Schneefall w&#252;rde uns hier festsetzen : kein Vor und kein Zur&#252;ck w&#228;re dann m&#246;glich. &#034;Aufwachen&#034; ruft der Tr&#228;ger auf Nepali ins Zelt. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf geht es um 4h in der Finsternis los. Das Wetter ist gut, doch im Lauf des Tages ist Schneefall angesagt, gehen die Ger&#252;chte unter den Wanderern. Der F&#252;hrer dr&#228;ngt deswegen auf z&#252;giges Weiterkommen. Doch diese H&#246;henetappe ist k&#246;rperlich wirklich fordernd. Trotz ausgiebiger Akklimatisierung auf den vorhergehenden Etappen macht der Sauerstoffmangel zu schaffen. Immer k&#252;rzer geht der Atem. Der Weg zum Pass zieht sich. Hinter jeder Anh&#246;he, die der Pass sein k&#246;nnte, taucht eine weitere Steigung auf. Tats&#228;chlich zieht sich das Wetter bedrohlich zu. Aus dem Picnic auf dem Scheitelpunkt der Tour wird nichts. Ein Handschlag, ein Foto, und schon bricht ein Schneesturm los, der einem die Finger beim Fotografieren abfriert. Nichts wie runter auf der anderen Seite. Wir fl&#252;chten vor dem Schneesturm durch schnellen Abstieg, beschleunigt durch Abw&#228;rtsrutschen &#252;ber Schneefelder. Im ersten Dorf auf 3700m H&#246;he vor dem Einschlafen findet sich Zeit zum Gr&#252;beln, warum dieser &#220;bergang die Grenzen der k&#246;rperlichen Leistungsf&#228;higkeit so eindringlich vor Augen gef&#252;hrt hat : das Alter, Gebrechen, Krankheit ? Im Abstieg durch duftenden Riesentannenwald und rot bl&#252;hendes Rhododendrenbuschwerk kann die Lebensbetrachtung fortgesetzt werden. So wird die Hochgebirgswanderung zur Erkundungstour in das eigene Leben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Om mani padme hum&lt;/i&gt; besingen die M&#246;nche am Fu&#223; des Manaslu die Wiederkehr des immer Gleichen. Der Geist des Kapitals hat diese Vorstellung vom zyklischen Weltenlauf durchbrochen und eine lineare Vorstellung vom Fortschritt an ihre Stelle gesetzt. Wer in den Strom des Fortschritts eintaucht, der kommt nicht mehr zur Ruhe. Auch in die Manaslu-Rundtour frisst sich schon eine Stra&#223;e, die dereinst das Tal mit Tibet verbinden soll. Pioniere sprengen sie mit gro&#223;em Aufwand in die Steilh&#228;nge des Gandakitals. Wie werden die Maultierunternehmer und die H&#252;ttenbetreiber auf diese Bedrohung ihrer Unternehmen reagieren ? Die Maultierunternehmer werden sich in die neuen Transportmittel diversifizieren und die Lodgebesitzer ihr angeh&#228;uftes Kapital in neue Gesch&#228;ftsfelder investieren. Wer heute im Maultiertransport oder im Tourismusgesch&#228;ft gro&#223; geworden ist, muss schon morgen sein akkumuliertes Kapital im neuen Hauptstrom des Fortschritts placieren, um nicht an den Rand gesp&#252;lt zu werden. Der Fortschritt, den die Stra&#223;e bringt, konkurriert mit dem Fortschritt, den der Tourismus gebracht hat. Denn die Wanderer gehen nicht gern auf Stra&#223;en. Doch wer einmal in den Zyklus von Kapitalanh&#228;ufung, Investition und Gewinn getreten ist, der placiert sein Kapital im jeweils neuen Strom des Fortschritts : der Maultiertreiber wird Busunternehmer, der Lodgebesitzer und die P&#228;chterin Gesch&#228;ftsfrau oder Wirtshausbesitzer in Kathmandu, in Bangalore, vielleicht sogar in Hongkong. Das sind die verschlungenen Wege der Entwicklung im Himalaya, ausgedr&#252;ckt als materieller Fortschritt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;24.8.2018&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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